Man könnte sie fast übersehen, die kleine Kirche. Idyllisch von hohen Linden eingerahmt liegt sie an der kopfsteingepflasterten Möhrkestraße im unteren Friedrichsort. 1875 wurde sie als Garnisonkirche für beide Konfessionen er- baut. Sie war als Ersatz für den abgerissenen Gottesdienstraum in der Festung Friedrichsort gedacht. Die falsche Orientierung des Altars nach Westen und die Bauweise fallen auf: Ein holzverschalter Fachwerkbau, was der Saalkirche früher die spöttische Bezeichnung „Religions- schuppen“ eintrug (noch heute sprechen manche von der „Holzkirche“ im Unterschied zur Prieser „Steinkirche“). 1987 erhielt sie den Namen „Bethlehem-Kirche“; seit 1988 steht sie unter Denkmalschutz.
Zur ursprünglichen Innenausstattung gehört das Abendmahlsgemälde von 1714 aus der Kapelle im Kommandantenhaus der Festung. 1911 fertigte die „Kaiserliche Torpedowerkstatt Friedrichsort“ - Vorläufer der MaK - zwei Bronzeleuchter an.
Die erste Orgel war schon 1902 unbrauchbar. Nach mehreren Provisorien konnte Ostern 2016 ein kleines, aber gut erhaltenes Instrument von 1916 eingebaut werden. 1963-67 ließ man den Altarraum neu ausstatten, eine neue Taufe auf- stellen und ein zeitgenössisches, transparentes Kreuz über dem Altar aufhängen – die durchbrochenen Balken sollen an Werftkräne erinnern.
Ungewöhnlich sind die Eigentumsverhältnisse der Kirche: Als Garnisonkirche gehörte sie dem Staat; das blieb auch so, als von 1948-99 die Kirche von der Ev. Kirchengemeinde Friedrichsort gepachtet wurde. Nach komplizierten Verhandlungen konnte 1999 ein gemeinnütziger, überkonfessioneller Verein – die „Interessengemeinschaft Bethlehem-Kirche Kiel-Friedrichsort e.V.“ – die Kirche erwerben, um sie der Öffentlichkeit für „Kult und Kultur“ zu erhalten. Seit dem sorgt der Verein mit rd. 100 Mitgliedern für die denkmalgerechte Instandhaltung des Gebäudes sowie für ein vielfältiges Kul- turprogramm, während die Gottesdienste natürlich von der Gemeinde veranstaltet werden.
Nüchtern und schlicht in Bauweise und Ausstattung – vielleicht spiegelt gerade dies das Erbe des Kindes von Bethlehem: Der Stall von einst wird eher ein Schuppen als ein Dom gewesen sein, und unbeabsichtigt erinnert das Holz der Kirche an das Holz von Krippe und Kreuz Jesu, des Zimmermanns.