Dankeskirche

Seit 1897 steht die Dankeskirche in Holtenau. Wer sie heute betritt, fühlt sich meist auf Anhieb wohlig geborgen; die neugotischen Formen, der rote Backstein und die warmen Holztöne sorgen für eine heimelige Atmosphäre, Schiffe und Steuerräder unter der Decke sowie moderne Altarbehänge schaffen ein dem Stadt- teil angemessenes maritimes Ambiente. Und auch wenn bis zu 500 Menschen in der Kirche Platz finden, wirken kleinere Gruppen in ihr keineswegs verloren.

Anders als die meisten Kirchen Kiels hat die Dankeskirche zwei Kriege nahezu unbeschadet überstanden. Dennoch lassen sich an ihr leicht Veränderungen ablesen, die in ihrer wechselvollen Geschichte vorgenommen wurden. Erste Probleme gab es bereits vor dem Richtfest: Die strengen preußischen Auflagen sahen eine kreuzförmige Kirche mit neugotischen Formen und einem schlanken Westturm vor. Dieser 52 m hohe Turm aber bereitete dem Kommandanten der Festung Friedrichsort einiges Unbehagen, weil man von dort aus in das nahegelegene Fort Holtenau blicken konnte. So wurde vereinbart, dass der Turm nur mit Sondergenehmigung des Festungskommandanten betreten werden dürfe.

Dass genau dieses Fort Holtenau später einer Erweiterung des Flughafengeländes weichen musste, wurde dem Turm dann endgültig zum Verhängnis: Als das Gelände in den 30er-Jahren zum Militärflughafen ausgebaut wurde, erschien der Kirchturm als Hindernis für den Flugverkehr. So wurde 1935 angeordnet, den Turm auf die Hälfte einzukürzen; nach Plänen des Architekten Ernst Prinz wurde ein ‚dicker Mantel‘ um den unteren Teil des alten Turmes gelegt.

Der Geist der Nazizeit schlug sich auch im Innern der Kirche nieder. 1936 ersetzte die Gemeinde den ursprünglichen neugotischen Altar durch die Figurengruppe ‚Volk unter dem Kreuz‘ des Segeberger Bildhauers Otto Flath, eines Künstlers mit einer unrühmlichen Nähe zum Regime. Nach Kriegs- beginn erging es der Dankeskirche nicht anders als vielen Kirchen im Land: Die Glocken mussten ebenso abgegeben werden wie die schönen Messingleuchter. So stiftete die Hol- tenauer Gemeinde die bereits erwähnten Steuerräder, auf denen man Lampen befestigte.

Besonders schmerzhaft aber war die Zerstörung des bunten Altarfesters ‚Auferstehung des Herrn‘ im Jahr 1940 durch eine Luftmine. Mehr als ein halbes Jahrhundert sollte ver- gehen, bis man das notdürftig zugemauerte Fenster wie- der öffnen konnte. Heute freut sich die Gemeinde an dem wunderbaren Fenster ‚Ostermorgen‘ von Hans Gottfried von Stockhausen, das zu 100-Jahrfeier 1997 eingeweiht werden konnte. In diesem Zusammenhang wurde auch der Altar wieder an seinen Platz gebracht und Flaths Figurengruppe auf die Seitenempore verbannt.

Für den Altar konnten in den Jahren 2013 bis 2015 aus Spenden neue Antependien (Altarbehänge) angeschafft werden. Sie wurden wurden von der Leipziger Künstlerin Agnes Gensi- chen eigens für diesen Raum entworfen und aus schlichtem Wollfilz angefertigt. Die unterschiedlichen Farben und maritimen Symbole erzählen von der Botschaft des Kirchenjah- res: Anker, Kompass, Gaffelschoner und ein Schwarm Fische.

Dem Altar gegenüber erklingt von der Westempore bereits seit 1998 eine romantisch gestimmte Orgel mit 26 Registern aus der Werkstatt von Theo Haerpfer in Boulay (Lothringen). Damit der alte Raum nicht zum Aufbewahrungsort für Ver- gangenes verkommt, wird er immer wieder behutsam ver- ändert. Aber eines bleibt: In der Dankeskirche wird die Botschaft von der Liebe Gottes seit 1897 stets in der Sprache der Zeit neu erzählt und besungen.