Eivind-Berggrav-Zentrum

Die Architektur dieses 1969 eingeweihten Zentrums ist Programm. Ein „Haus für alle“, ein Ort der Begegnung, geistliches und weltliches Leben in Einheit – diese Herausforderung hat der Architekt Klaus Hertsch im Eivind-Berggrav-Zentrum (EBZ) überzeugend umgesetzt. Alle Räume gehen vom weiträumigen Foyer ab. Der Kirchraum ist „nur“ einer von vielen, wenn auch der größte und beeindru- ckendste. Die Kirche verkörpert Weite und Freiheit. Die Kanzel ist bewusst flach gehalten, da die Theologie dieser Kirche die „Gemeinschaft aller Getauften“ widerspiegeln soll. Alle Pastor*innen sollen sich als Teil dieser Gemeinschaft verstehen. Der Blick wird bewusst auf den Mittelpunkt der Kirche gerichtet: das 9x9m große Altarrelief von Waldemar Drews. Dieses weltweit in dieser Größe einzigartige „Bild in Beton“ zeigt den Lebensweg Jesu. Manche der darin abgebildeten Lebensstationen hat der Künstler bewusst „offen“ gestaltet, um Fantasie und eigene Interpretation des Betrachters anzuregen.

In „unserer“ Kirche steckt mehr drin, als sich der vordergründigen Betrachtung erschließt. Wer auf einem der im Halbkreis aufgereihten 300 Stühle Platz nimmt, darf sich gesegnet wissen, da er/sie unter fünf Trägern sitzt, die die Hand Gottes symbolisieren. Wer genau hinsieht entdeckt zudem die Trinität an der Rückwand. Nach außen (zur Verkehrskreuzung) wirkt der Kirchraum wie ein Bunker. Auch das ist architektonisch gewollt, soll der Segensraum doch zugleich einen Schutz gegenüber der lauten, unruhigen, mit- unter verwerflichen Außenwelt darstellen. Dass die Türen in den Kirchraum aus leicht getönten Scheiben bestehen, ist Absicht, um Transparenz und Offenheit, Durchlässigkeit und Einladung zu symbolisieren.

Im Kirchraum des EBZ feiern die altkatholische und die fin- nische Gemeinde regelmäßig Gottesdienst. Sechs weitere Räume gehen vom Foyer ab, in denen sich kirchliche und nicht-kirchliche Gruppen treffen. In diesem ökumenisch aus- gerichteten „Haus für alle“ kommen also Menschen unter- schiedlicher Herkunft und biografischer Prägung zusammen, um sich auszutauschen und sich in gegenseitigem Respekt kennenzulernen.

Der damalige Kirchenvorstand gab diesem Ort mit Bedacht den Namen „Eivind Berggrav Zentrum“. Der norwegische Bi- schof Eivind Berggrav hatte unter der deutschen Besetzung im zweiten Weltkrieg persönlich sehr gelitten und hat sich zugleich nach Ende des Krieges mit allem Nachdruck in Eu ropa dafür eingesetzt, den Deutschen die Hand zur Versöh- nung auszustrecken. Frieden und Versöhnung, dafür steht der Name des EBZ.

Kurzum: der Name „Eivind Berggrav“ und die Architektur sind die „Überschrift“ über diesem „Haus für alle“. Das darin stattfindende Leben soll ihm entsprechen. Heute und in Zukunft.

Ein Defi kann Leben retten

Dank unserer Sponsoren konnte das Eivind-Berggrav-Zentrum mit einem Defibrillator ausgestattet werden. Vielen Dank!