Kirche Zum guten Hirten

Vor 111 Jahren – am 30. Juli 1911 – ist die Kirche in Pries eingeweiht worden. Gelegen auf einer ehemaligen Schafswiese erhielt die Kirche 1959 den Namen „Zum guten Hirten“. Schon die erhöhte, nach hinten versetzte Lage ist Programm: Die enge Häuserflucht weitet sich, Blick – und Ge- danken - werden „aufwärts“ geführt. Wer durch den Torbogen den Weg zur Kirche hinaufgeht, betritt einen Raum eigener Art – einen Raum, der zwar durch eine kräftige Feldstein- mauer abgegrenzt ist, aber zugleich durch seine erhöhte Lage Einblick gewährt: ein ruhender Pol mitten im Ortskern mit seinen Geschäften und wochentags lebhaftem Verkehr. – Nicht, dass auf dem Kirchgelände „ewige Ruhe“ herrsch- te: Pfadfinderzelte im Sommer, schlittenfahrende Kinder im Winter beleben die Kirchwiese, Trau- und Trauergemeinden den Kirchenvorplatz. Seit 1911 ist hier das Zentrum des kirch- lichen Lebens von Pries, das erst 1922 Stadtteil von Kiel wurde.

Die Kirche ist im Stil der Heimatschutzarchitektur erbaut: ein Backsteinbau, der „in die Landschaft passt“ und die regio- nale Handwerkskunst zur Geltung bringt: gemauerte Orna- mente, eine Holztonnendecke über dem sichtbaren Gebälk, an welchem die acht Seligpreisungen zu lesen sind, eine kunstvolle Ausmalung von Wänden und Decken ...

Von außen zeigt sich die Kirche heute fast noch wie vor 111 Jahren. Nur der Einbau der Uhr 1913, die Schieferdeckung des Dachreiters und die Kupferdeckung der Apsis 1985 haben die Ansicht geringfügig verändert. Zwar hat ein Bombentreffer im Juli 1944 das Dach der Kirche fast komplett abgedeckt – bis 1947 stand es offen! –, aber ansonsten blieb die Kirche unversehrt.

Über der Eingangstür zur Kirche steht in alter Frakturschrift ein Bibelwort (Matth. 4,4), welches Sinn und Zweck der Kirche benennt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jeglichem Wort Gottes.“.

Groß ist die Kirche nicht – sie bietet nur ca. 150 Menschen Platz und ist damit deutlich kleiner als die Bethlehem-Kirche, was immer wieder Erstaunen hervorruft. Die Lage sowie das Gesamtbild mit Pastorat und Büro lassen die Kirche größer erscheinen.

Den Kirchbau hat seinerzeit u.a. das preußische Kultusministerium mitfinanziert – für die Innenausstattung allerdings schrieb Pastor Lensch „Bettelbriefe“ an Kirchengemeinden in Schleswig-Holstein. Mit Erfolg: Ältestes Ausstattungsstück, das beim Betreten der Kirche sofort ins Auge springt, ist das Triumphkreuz von 1599: Bis 1890 hing es in der Kirche in Neu- enbrook bei Itzehoe, verschwand dann auf dem Dachboden des Pastorates – bis Pastor Lensch es für die neue Kirche in Pries günstig erwarb, restaurieren und aufhängen ließ. Die Balken sind seitlich mit roten Kriechblumen, an den Enden mit goldenen Kreuzblumen verziert, welche die Evangelistensymbole Mensch (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lu kas) und Adler (Johannes) umranken.

Der pokalförmige Taufstein aus weiß-bläulich schimmerndem Marmor ist ein Geschenk der Gemeinde Burg auf Fehmarn; am Sockel findet sich ein Hinweis auf Stifter und Entste- hungsjahr: „F. von Leesen 1845“. Die Taufschale aus Zinn aus dem Jahr 1830 haben die Eheleute Kähler der Kirche 1912 geschenkt, nachdem sie als erstes Paar Goldene Hochzeit in der neuerbauten Kirche gefeiert hatten.

Den Altartisch aus grauem Muschelkalk zieren trotz Verschleiß heute noch gelegentlich die beiden bestickten roten und schwarzen Altarbehänge, welche „Ihre Majestät die deutsche Kaiserin [Auguste Viktoria] zur Ausschmückung unserer Kirche schenkte“ (Gemeindeblatt 8/1911). – Meistens aber werden Gobbelin-Behänge in den liturgischen Farben verwendet, die zum Kirchweihjubiläum 2011 in der Ratze- burger Paramenten-Werkstatt angefertigt wurden.

Die Bleiglas-Fenster in der Wand des Altarraums zeigen Motive aus dem Neuen Testament: „Jesus und der sinkende Petrus“ sowie „Maria Magdalena begegnet dem Auferstandenen“.

In die Kanzel aus Eichenholz eingeschnitzt sind Kreuz, Herz und Anker („Glaube, Liebe, Hoffnung“), die vier Evangelis- tensymbole, das Auge Gottes im Dreieck (Dreieinigkeit) mit Strahlenkranz sowie der Bibeltext: „Das Evangelium von Christo ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben – Röm 1, 16“ – der Vers war Lensch’ Konfirmationsspruch und Thema seiner Predigt zur Kirchweihe 1911.

Die Orgel auf der Empore - bereits das fünfte Instrument in der Kirche! - hat 16 Register. 1969 für die alte Melanchthon-Kirche in Lübeck erbaut, hat die ortsansässige Fa. Paschen das Instrument 2008 umgearbeitet und in der Prieser Kirche eingebaut.

Die Renovierung 1968 hat den Innenraum stark verändert: Alle Wände sind weiß überstrichen, die seitlichen Bleiglas- fenster herausgenommen, die Kanzel tiefer gesetzt, Altar, Bänke, Leuchten und Fußboden erneuert. Das Triumphkreuz, die Buntglasfenster sowie die Holztonnendecke kommen seitdem deutlich besser zur Geltung als vorher.